Aufbewahrungsort Straßburg, Seminarbibl., Cod. C. VI. 7 [1870 verbrannt]
Beschreibstoff Pergament und Papier
Inhalt Vermutlich aus urspr. selbständigen Teilen zusammengesetzte Sammelhs. mit überwiegend lat. didakt. Texten, darunter

1) zwischen den 'Lamentationes Matheoli' und Engelberts von Admont 'Speculum virtutum moralium' (Graff 1826, S. 323: 'Speculum virtutum Engelberti') eine anonyme lat.-dt. Sprichwörtersammlung ('Straßburger Sprüche'), darin

17 dt. Freidank-Verse mit lat. Übertragung (s. gesonderte Aufstellung)

2) nach dem 'Speculum virtutum moralium'

6 verstreute Freidank-Verse  (s. gesonderte Aufstellung)

3) zwischen dem 'Speculum virtutum moralium' und einem 'Lib. de uirtutibus cardinalibus' (Graff 1826, S. 323)

eine Freidank-Sammlung (Graff 1826, S. 323: "incipit Fridangus"), offenbar die in der Uffenbachschen Abschrift (Staats- und Universitätsbibl. Hamburg, Cod. germ. 35, Teil B, S. 254-299 [Sammlung des Walter von Engen]) erhaltene Fassung (s. unter Straßburg, Stadtbibl., ohne Sign.), die die Überschrift Incipit Fridangnus trägt,
Corpus-Sammlung mit Titelspruch 1,1-4 (Autornennung) sowie Schlußschrift: Explicat Fridangnus completus per Walter de Engen in Vigilia exaltationis S[an]cte Crucis 1385, lat.-dt., 372 lat. Verse, in der Uffenbachschen Abschrift jeweils auf der linken Seite die lat., auf der gegenüberliegenden rechten Seite die dt. Fassung
Entstehungszeit 1385 (Schlußschrift zu Nr. 3)
Schreibsprache alem.
Literatur
  • Johann Joachim Eschenburg, Denkmäler altdeutscher Dichtkunst, Bremen 1799, S. 91, 111-113. [online]
  • Eberhard Gottlieb Graff, Gedichte des 13ten und 14ten Jahrhunderts in Pergament=Handschriften der öffentlichen Bibliothek zu Straßburg, in: Diutiska I (1826; Nachdruck Hildesheim/New York 1970), S. 292-326, hier S. 323-326 [mit Abdruck der deutschen Bestandteile der 'Straßburger Sprüche' und der verstreuten Freidank-Verse]. [online]
  • Wilhelm Wackernagel, Altdeutsches Lesebuch, 2. vermehrte und verbesserte Ausgabe (Deutsches Lesebuch 1), Basel 1839, Sp. 985-988 [mit Abdruck von zwei Sprüchen aus Nr. 1 und einem Spruch aus Nr. 2 (nach Graff)]). [online]
  • Wilhelm Grimm (Hg.), Freidank, 2. Ausgabe, Göttingen 1860, S. XII (Nr. 1). [online]
  • Heinrich Ernst Bezzenberger (Hg.), Frîdankes Bescheidenheit, Halle 1872 (Nachdruck Aalen 1962), S. 52 (Nr. 1). [online]
  • Friedrich Seiler, Die kleineren deutschen Sprichwörtersammlungen der vorreformatorischen Zeit und ihre Quellen I. II., in: Zeitschrift für deutsche Philologie 47 (1918), S. 241-256, 380-390, S. 380-383 [mit Abdruck von zwei Sprüchen aus Nr. 1 und einem Spruch aus Nr. 2 (nach Graff)]).
  • Berndt Jäger, "Durch reimen gute lere geben". Untersuchungen zu Überlieferung und Rezeption Freidanks im Spätmittelalter (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 238), Göppingen 1978, S. 29f., 54f., 165f., 180, 215, 219, 222, 245, 276.
  • Manfred Eikelmann, 'Sprichwörtersammlungen' (deutsche), in: 2VL 9 (1995), Sp. 162-179 + 2VL 11 (2004), Sp. 1443, hier Sp. 165f.
  • Handschriftencensus / Marburger Repertorium deutschsprachiger Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts [online]
Ergänzender Hinweis Grimm, S. XII, Nr. 1, führt unter Verweis auf Eschenburg 1799, S. 113, und Graff 1826, S. 323 und 326, eine "Straszburger pergamenthandschrift vom Jahr 1384" mit einem lat.-dt. Freidank mit "372 deutsche[n] und ebenso viel lateinische[n] verse[n]" an. Gemeint ist Cod. C. VI. 7 der Seminarbibl., doch hat Grimm die verschiedenen Freidank-Einträge dieser Hs. zusammengeworfen. Eschenburg behandelt auf S. 112 (nicht auf S. 113!) die Sammlung von Walter von Engen (oben Nr. 3), Graff auf S. 323 und 326 hingegen die 'Straßburger Sprüche' (oben Nr. 1) und die verstreuten Verse (oben Nr. 2). Die Verszahl 372 und die Jahreszahl 1384 sind von Graff übernommen (S. 323). - Bezzenberger, S. 52, Nr. 1, wiederholt die Angabe Grimms, läßt aber den Verweis auf Eschenburg fort. Bei Johann Jacob Witter, Catalogus codicum manuscriptorum, in bibliotheca sacri ordinis hierosolymitani argentorati asservatorum, Straßburg 1746, sind mehrere Freidank-Hss. der ehemaligen Straßburger Johanniter-Bibliothek erwähnt: vgl. S. 32f. (C 105) [Katalogtext S. 32/33]; S. 41 (C 173) [Katalogtext]; S. 46f. (D 73) [Katalogtext S. 46/47]. Ob die Angaben zutreffen, was gegebenenfalls aus diesen Hss. geworden ist und ob ein Zusammenhang mit den im Repertorium beschriebenen Hss. der ehem. Seminarbibl. und der ehem. Stadtbibl. Straßburg besteht, ist nicht zu ermitteln. Für den freundlichen Hinweis auf die Einträge bei Witter danken wir Herrn Maurice Sprague, Straßburg.
Mai 2009